Wir leben in merkwürdigen Zeiten. Unter Nutzung rießiger Ackerflächen, mit großem Energieinsatz und viel Wassernutzung werden aufwendig Lebensmittel produziert und dann ein Drittel davon weggeworfen. Auch in Deutschland. [1] Gleichzeitig haben nicht alle Menschen Zugang zu Lebensmitteln, obwohl es genügend gibt. Im aktuellen System wird es ihnen aufgrund von Tauschzwang vorenthalten: Wer kein Geld hat, bekommt kein Essen. [2] [3]

Der Ansatz Lebensmittel einfach zu teilen anstatt sie wegzuwerfen ist daher revolutionär. Dabei verstehen wir Revolution als zukunftsweisenden Prozess: Altes verwerfen und Neues beginnen. Die Tätigkeit von foodsharing bricht mit den unlogischen Dogmen des bestehenden Systems und etabliert eine neue Herrangehensweise an den Umgang mit Lebensmitteln und die Verteilung dieser.

Alles beginnt mit einer Gruppe von Menschen, die bewusster mit Lebensmitteln umgehen. Eine foodsharing Gruppe entsteht. Fairteiler werden aufgebaut, Kooperationen mit Betrieben entstehen, mehr und mehr Menschen bekommen mit, dass mensch Lebensmittel teilen statt wegwerfen kann. Durch Vernetzung mit anderen Gruppen und Akteuren im Ernährungsbereich entwickelt sich die Idee immer weiter. Durch die Zusammenarbeit mit der öffentlichen Hand vervielfältigen sich die Möglichkeiten der Engagierten. Gemeinsam denken sie kommunale Strukturen neu und zeigen wie es anders gehen kann. So kann zum Beispiel ein Ernährungsrat entstehen, wodurch die Lebensmittelversorgung in der Stadt ganz neu gedacht wird. Weg von langen Lieferketten und rießigen Einkaufhallen, zurück zu regionalen Kreisläufen und kleinen Geschäften. Eine Stadt der kurzen Wege, der Lebensmittelwertschätzung und des Teilens.

Dieser Prozess von Veränderung (Transformation) entspricht der sogenannten Keimformtheorie. Hier wird im Bestehenden das Neue bereits gelebt und vorweggenommen. Wenn die Zeit dann gekommen ist erfolgt der Wandel auch im Großen. Foodsharing-Städte sind Keimformen eines neuen Ernährungsystems und damit revolutionär.

In vielleicht schon wenigen Jahren werden sich die Menschen fragen: Wie konnten wir jemals so mit Lebensmitteln und miteinander umgehen. Wenn Lebensmittel da sind sollen sie verteilt und nicht weggeworfen werden. Wenn Menschen Hunger haben, sollen sie Essen bekommen. In einer schwierigen Zeit wie heute braucht es zukunftsweisende Konzepte die bereits gelebt werden. Sie ebenen den Weg in eine bessere Gesellschaft.

Quellen: [1] WWF Deutschland, 2015: Das große Wegschmeißen https://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/WWF_Studie_Das_grosse_Wegschmeissen.pdf

[2] Maria Heubuch, 2019: Es ist genug für alle da https://www.maria-heubuch.eu/entwicklung/gute-landwirtschaft-fuer-gutes-leben/es-ist-genug-fuer-alle-da

[3] Welthungerhilfe, 2020: Hunger: Verbreitung, Ursachen & Folgen https://www.welthungerhilfe.de/hunger/?gclid=EAIaIQobChMI-byI9fal5QIVjed3Ch23egSQEAAYAyAAEgICk_D_BwE

Von Sebastian

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